Bye bye Thailand, Hallo Kambodscha!

Das erste Land ist abgehakt, weiter geht es von Bangkok nach Kambodscha, genauer nach Siem Reap. Jeder der nach Kambodscha kommt, sollte die Chance nutzen und sich die Tempelanlagen von Angkor Wat angucken, genau das ist mein Plan für die kommenden Tage.

Der Flug dauert nur eine Stunde, kaum ist man abgehoben, setzt man auch schon wieder zur Landung an, sicherlich um einiges komfortabler als mit dem Bus. Davon abgesehen hat man mit dem Visum am Flughafen keine Probleme. Im Flugzeug bekommt man den Antrag und füllt ihn aus, am Flughafen hält man Reisepass, Passfoto und 30$ bereit und zwei Minuten später hat man den Pass samt Visum in der Hand.

Dann tausche ich noch etwas Geld. Gerade hat man sich an die thailändischen Baht gewöhnt und ein Gefühl dafür bekommen wofür man wie viel ausgeben kann, fängt man wieder von vorn an.

Hier in Kambodscha ist die Landeswährung Riel, sämtliche Preise werden aber in Dollar angegeben und auch viel lieber entgegen genommen, zahlen kann man mit Beidem. 4000Riel entsprechen 1Dollar, man hat also immer relativ viele Geldscheine bei sich, die aber so gut wie nichts wert sind.

Weiter geht es mit dem Tuk Tuk zum Hostel, die Landschaft ist flach, sehr grün, überall sieht man Rinder, sowohl auf der Wiese als auch an und auf der Straße, alles eher ländlich, kein Vergleich zu Bangkok, darüber bin ich ganz froh.

Im Hostel buche ich „mein“ Tuk Tuk samt Fahrer für den nächsten Morgen um 7.00 Uhr. Früh ist es 1. noch nicht ganz so warm und 2. weniger los. Am Ticketshop kaufe ich ein 3-Tages-Ticket für 40$.

Im 10. Jahrhundert wurden Bewässerungsanlagen entwickelt, die es ermöglichten mehrmals im Jahr Reis zu ernten, das wiederum führte zu einem Nahrungsüberschuss und die Khmer zu großem Reichtum, aus diesem Grund waren sie in der Lage große Tempelanlagen zu errichten.

Mein erster Halt ist Angkor Wat selbst, nur einer von unzähligen Tempeln. Da es von Wasser umgeben ist, ist es bis heute ziemlich gut erhalten, denn die Gräben rundherum bieten Schutz vor dem Vordringen des Waldes.

Im 20. Jahrhundert wurde Angkor Wat intensiv restauriert und erstmals von Erde und Vegetation befreit. Während des Bürgerkrieges, unter der Herrschaft der Roten Khmer, blieb das Monument unbeschädigt, Statuen wurden jedoch zerstört oder gestohlen.

An sich ähneln sich die Gebäude zum Großteil, alle sind aus beeindruckend verzierten Sandsteinen zusammen gesetzt, viele Gänge mit sehr niedrigen Türen, steil ansteigende Treppen mit ganz schmalen Stufen. Einfach unglaublich finde ich die Reliefs, Muster und Figuren an und in den Wänden. Der Wahnsinn wozu Menschenhände imstande sind, erschaffen und zerstören beides gleichermaßen.

Das nächste wirklich faszinierende Gebäude ist Ta Prohm, ein früheres Kloster mitten im Wald. Die Restauratoren haben beschlossen eine Anlage in ihrem Zustand zu belassen und nur so weit zu sichern, dass es Besuchern möglich ist sie zu begehen. Riesige Bäume sind fest mit den Gebäuden verschmolzen, dicke große Wurzeln überwachsen Mauern und schlängeln sich um Steine als würden sie den Tempel verschlingen, die Sandsteine sind mit Moos überzogen und haben generell mit der Zeit eine tolle Patina bekommen, für Theatermaler ein Paradies :). Im Übrigen wurden Szenen aus Tomb Raider, mit Angelina Jolie, im Jahr 2000 an diesem Ort gedreht.

Der dritte wirklich außergewöhnliche Tempel ist Bayon, mit seinen vielen überdimensional großen Steingesichtern. Alle anderen Bauten stechen nicht sonderlich aus der Masse hervor, mit der kleinen Runde bin ich durch, für den ersten Tag reicht es. Immerhin waren wir 7 Stunden unterwegs, die große Hitze macht die Besichtigungstour noch anstrengender, mein Fahrer hat immer vor Ort auf mich gewartet und verlangt am Ende 15$.

Am zweiten Tag stehe ich 4.15 Uhr auf, um den Sonnenaufgang am Angkor Wat zu sehen, mit mir strömen hunderte Andere dahin, von Ruhe und Romantik keine Spur… ich sitze also erwartungsvoll auf der Wiese und versuche Verkäufer zu überzeugen, dass ich weder einen Kaffee noch einen Schal oder was auch immer kaufen will, da fängt es an zu regnen… nix mit Sonnenaufgang!! Wir fahren weiter, heute die große Runde. Das einzig Neue für mich ist ein See aus welchem viele abgestorbene Bäume ragen, ein langer Steg führt wieder zu einem Tempel, dieser ist jedoch umgeben von Wasser und nur aus der Ferne zu betrachten. Nach dem Ende dieser Runde, wäre ich für mich eigentlich durch mit Angkor Wat, man schafft es eh nicht jeden einzelnen Tempel anzusehen und das will ich auch gar nicht! Ein Tag wär schon ziemlich wenig, aber drei Tage find ich fast zu viel.

Auf dem Rückweg zum Hostel sehen wir direkt an der Straße wilde Affen und machen kurz Halt, ein Kleiner springt sogar aufs Tuk Tuk und fährt ein Stück mit. 🙂

Am dritten Tag lasse ich mich zum zeichnen noch einmal zum Ta Prohm fahren und will mir abends den Sonnenuntergang vom Gipfel eines Berges ansehen. Es ziehen schon wieder dunkle Wolken auf, ich versuch es trotzdem… was mir allerdings niemand sagt, oben auf dem Berg ist wieder ein Tempel, an welchem eine lange Schlange wartet, um die Aussicht zu genießen. Es wird immer nur eine bestimmte Anzahl an Leuten nach oben gelassen, deshalb dauert es umso länger! Selbst wenn ich mich anstellen würde, bis ich oben wäre, wäre die Sonne längst untergegangen! Also geh ich zurück zum Tuk Tuk und schon fängt es an zu regnen… Mein Fahrer ist so lieb und hält unterwegs ab und zu für mich an, so bekomme ich doch noch ein paar schöne Fotos.

Im Hostel wohne ich in einem 10-Bett-Mädchenzimmer, man sollte meinen, dass man dort ganz schnell ins Gespräch kommt, hier nicht. Eine schrullige etwas ältere Französin führt ständig Selbstgespräche und schnarcht, alle Anderen bekomme ich selten zu Gesicht. Im Aufenthaltsbereich des Guesthouses spricht mich hingegen Samar, ein Inder, an. Er reißt einen sofort mit, mit seiner positiven Energie, singt, tanzt, macht Liegestütze ohne sich Gedanken zu machen, was Andere davon halten könnten, springt mit Kindern durch den Regen, bringt mir ein paar Worte Hindi bei, mit ihm und ein paar anderen Leuten aus dem Hostel gehen wir abends zusammen essen. Schön mal nicht allein unterwegs zu sein und auch total interessant etwas von der indischen oder koreanischen Kultur zu erfahren.

Wird in Indien zum Beispiel ein Mädchen geboren, fängt der Vater ab dem Tag ihrer Geburt an, für die Hochzeit zu sparen, eine Indische Hochzeit dauert 1 Woche, in der unzählige Gäste das Brautpaar feiern, SÄMTLICHE Kosten übernimmt der Brautvater.

Bisher habe ich mich noch nicht zum Frisör getraut, Samar hat aber eine Haarschneidemaschine dabei und rasiert meine rechte Kopfseite wieder schön kurz, das reicht wieder für die nächsten Wochen. 🙂 Abends wollen Sie was trinken gehen und fragen, ob ich mitkomme. Wir sind in einer Bar auf dem Dach eines Hauses, eine Band macht Live-Musik, es gibt Billardtische. Dank des guten Trainings meines Papas, muss ich mir keine allzu großen Sorgen machen… besser als die Mädels am Tisch, die seit 20 Minuten keine Kugel eingelocht haben, bin ich bestimmt. Die Tische sind in keinem guten Zustand, das Zubehör auch nicht, da es in den letzten Nächten viel geregnet hat, sind um den Tisch herum Pfützen in welche man beim konzentrierten spielen ständig hinein tritt, Spaß haben wir trotzdem und das ist die Haupsache.

Nach vier Tagen in Siem Reap ist es Zeit weiter zu ziehen, noch ein Abschiedsfoto und viele gute Wünsche mit auf den Weg, dann geht es weiter mit dem Bus nach Battambang.

Die Busfahrten sind ein bißchen wie Fernsehen, man sieht viel von der Landschaft und den Leuten, ganz oft außergewöhnliche Dinge, welche ich gern mit der Kamera festhalten würde, aber meistens ist man zu schnell dran vorbei, oder das Bild ist verwackelt und unscharf… und bleibt mal wieder nur in meinem Kopf. Roller auf denen eine komplette Familie sitzt, darunter drei kleine Kinder ohne Helm, eins davon schläft, sind mittlerweile schon fast normal. Aber hier sieht man auch drei auf einem Roller, wovon einer am Tropf hängt. Oder ein Auto aus dessen Kofferraum ein Roller herausragt, ein Transporter, der 5m hoch mit Säcken und Fahrrädern beladen ist, ein anderer Transporter voller Menschen hinten offen, ein Roller dran gebunden, auf ihm sitzt ein Mann. Ein Jeep mit Ladefläche, um die komplette Ladefläche baumeln an den Füßen zusammengebundene Hühner. An der Straße ein Karren, darauf liegen 6 komplette Schweine auf dem Rücken mit den Füßen nach oben.

Sobald wir irgendwo Halt machen, wird uns Essen angeboten, oft geschältes und geschnittenes Obst (aus Rücksicht auf meinen Bauch halte ich mich davon eher fern), gegrilltes Fleisch, Krebse, getrockneter Fisch, oder auch gegrillte Schildkröten… eine Frau kauft eine Tüte mit Eiern und schält eines davon, zum Vorschein kommt ein dunkelgrün-gelblicher Klumpen… wie auch immer, mein Appetit hält sich in Grenzen, ich bleib lieber bei meinen Keksen. Vielleicht bin ich ein Schisser, aber ich kann ganz gut damit leben NICHT alles auszuprobieren.

Der Bus steht noch nicht einmal still, da rennen die Tuk Tuk Fahrer schon los und halten Schilder ans Fenster, ein paar von ihnen kommen sogar in den Bus und reden auf uns ein. Ich hab noch nicht einmal die Gelegenheit auszusteigen und meinen Rucksack entgegen zu nehmen und bin schon jetzt genervt!!!

Ich weiß die Menschen hier sind arm, was sie hier machen ist ihr Job, um Geld zu verdienen und die Familie zu ernähren. Die meiste Zeit bin ich auch wirklich freundlich, lächle und sage: Nein, Danke! Auch, wenn mir an dem Tag der 300. etwas verkaufen will, aber irgendwann reichts. Für gewöhnlich sind die Asiaten vor allem beim Kontakt zu Frauen äußerst zurück haltend, aber hier geht sämtliche gute Erziehung verloren. Ich ärgere mich so sehr, dass ich beschließe zusammen mit einem deutschen Pärchen in die Stadt zu laufen. 2,6km mit ca. 18kg Gepäck und gefühlten 70 Grad… fast bereue ich unterwegs diese Entscheidung.

Klatschnass und völlig am Ende erreiche ich das Hostel und springe sofort unter die Dusche. Von einem amerikanischen Paar erfahre ich, dass einer der Hostelbesitzer Deutscher ist und man im Restaurant Schnitzel und Kartoffelbrei essen kann. Ich kann mein Glück kaum fassen!!! Kartoffelbrei, das wird das Highlight meines Tages!!!!! ❤

Battambang wird im Reiseführer nett beschrieben, auch hier wird die koloniale Architektur lobend erwähnt… ich bin ein Stück durch gelaufen… kann man mal machen, muss man aber nicht! Aber ich bin ja nur zwei Nächte hier… und weil ich nicht weiß, wann ich das nächste Mal eine solche Gelegenheit bekomme, fülle ich meinen Bedarf an Kartoffelbrei auch am zweiten Abend gleich noch mal auf. 😉

Das Beste kommt zum Schluss: Alle die sich Sorgen machen, weil ich alleine unterwegs bin, ihr könnt aufatmen! Jetzt steht endlich fest, ab 07.01.16 bin auch ich wieder als Teil eines unerträglich verliebten Pärchens unterwegs!!! Marcel kommt nach Argentinien und wird den Rest der Reise mit mir zusammen erleben!!! Ich kann es kaum erwarten und freu mich riesig auf unser gemeinsames Abenteuer! ❤ ❤ ❤

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Angkor Wat

Angkor Wat

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nur für dich Hasi2!

nur für dich Hasi2!

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ein Armband vom Mönch inklusive Segnung soll Glück bringen, hab auch ein...

ein Armband vom Mönch inklusive Segnung soll Glück bringen, hab auch eins…

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ich schätze der Papa hat mit unserem kleinen Mitfahrer geschimpft, dann ist es abgesprungen...

ich schätze der Affen-Papa hat mit unserem kleinen Mitfahrer geschimpft, dann ist er abgesprungen…

Falls jemand ein Krokodil braucht, bitte bei mir melden, dafür muss keins sterben!!!

Falls jemand ein Krokodil braucht, bitte bei mir melden, dafür muss keins sterben!!!

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Hostelkinder

Hostelkinder

immerhin trägt der Papa nen Helm

immerhin trägt der Papa nen Helm

3 Wochen altes Katzenkind, auf meinem Bein eingeschlafen...

3 Wochen altes Katzenkind, auf meinem Bein eingeschlafen…

Battambang

Battambang

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