should i stay or should i go – Sihanoukville und Kampot

Es ist früh am Morgen, ich warte vor dem Hostel auf meinen Bus nach Sihanoukville, da setzt sich ein Mädchen zu mir. Katharina aus Deutschland, auch allein unterwegs. Zusammen fahren wir im Bus bis nach Phnom Penh und tauschen Reiseerfahrungen aus. Dabei erfahre ich auch, dass Sie in Weimar Flöte studiert und sogar schon im Eisenacher Theater ausgeholfen hat. Jetzt fahren wir gemeinsam durch Kambodscha, verrückt!!!

In Phnom Penh trennen sich unsere Wege, Sie bleibt für eine Nacht dort, ich fahre weiter, aber wir tauschen Nummern aus, vielleicht sehen wir uns wieder.

In Sihanoukville wird es schon langsam dunkel, zum Glück ist mein Hostel schräg gegenüber der Busstation.

Das Personal im Hostel ist super freundlich, alle Anderen dort scheinen mit sich selbst beschäftigt und haben keine Zeit für ein freundliches „Hallo“. Das ändert sich auch in den nächsten Tagen nicht… In der Stadt an sich fühle ich mich nicht sonderlich wohl. Ständig wird man darauf hingewiesen auf sich und seine Sachen aufzupassen, was eigentlich nur ein gut gemeinter Ratschlag ist, macht mir Angst. Ich trau mich nur am Tag mit nicht mehr als einer Flasche Wasser und ein bisschen Geld aus dem Haus. Der Strand ist nett, aber mit denen in Thailand nicht zu vergleichen, viele Bars, Restaurants und Verkäufer. Nur ein schmaler Sandstreifen zieht sich am Meer entlang, unmittelbar daneben weiden Rinder. Sobald man sich setzt, dauert es keine Minute und man ist umgeben von Leuten die einem geknüpfte Freundschaftsbänder, eine Pediküre oder Massage anbieten. Zwei Tage hier reichen mir völlig!

Inzwischen hat Katharina sich gemeldet, Sie ist in einem netten Hostel in Kampot, nur zwei Stunden von mir entfernt. Von der Stadt habe ich schon viel Gutes gehört und gelesen, also nichts wie hin.

Kampot ist wirklich schön!!! Eine kleine Stadt am Fluss, mit schönen Cafés und Restaurants, man sieht tatsächlich koloniale Architektur und abends einen traumhaften Sonnenuntergang hinter den Bergen. Im Reiseführer steht man könne in Kampot versacken und das stimmt. Aus der vorerst einen geplanten Übernachtung werden sechs. Vier davon zusammen mit Katharina.

Die Atmosphäre hier ist total entspannt, viel weniger Verkehr, weniger Dreck und Müll, viele Blumen und hübsch gestaltete Bars oder Sitzecken, hier kann man ganz wunderbar Kaffee trinken, Brownies essen und stundenlang quatschen.

Im Moment wird in Kambodscha Pchum Ben gefeiert, ein 15-tägiges Festival um der Verstorbenen zu gedenken und ihre Geister gnädig zu stimmen, eines der wichtigsten Feste des Landes.

Auf einem Ausflug hat Katharina Ya, ein kambodschanisches Mädchen, kennen gelernt. Ya hat Sie eingeladen mit Ihr in den Tempel zu gehen und mitzufeiern. Eine großartige Gelegenheit, fern ab jeglicher Touristenströme, etwas über Land und Leute zu erfahren, ich darf auch mit.

9.30Uhr werden wir mit dem Auto abgeholt und fahren zur Pagoda. Ya hat sich schick angezogen und alle Opfergaben, wie Blumen und Reis besorgt. Am Tempel angekommen, sind alle Augen auf uns gerichtet, wir sind die einzigen Touristen, ein Mönch zückt sein Smartphone und fotografiert uns. Zunächst werden alle mitgebrachten Sachen von ebendiesem Mönch gesegnet.

Die Kambodschaner opfern für ihre Verhältnisse sehr viel Geld. Es heißt, dass an Pchum Ben, die verstorbenen Verwandten zum Tempel kommen, um zu sehen, ob die Familien ihnen etwas zu essen gebracht haben, ist das der Fall werden sie von ihnen nicht verflucht, sondern mit Glück beschenkt.

An der Seite stehen mehrere Töpfe, mit einem Löffel gibt man in jeden etwas gekochten Reis für jeden der Mönche. Am anderen Ende des Raumes ist eine Art Altar mit vielen Buddhastatuen, es werden Räucherstäbchen angezündet, man kniet vor dem Altar und betet still für Familie, Freunde und einen selbst und bittet um Gesundheit, Schutz und Erfolg.

Jetzt spricht ein, wir würden ihn Pfarrer nennen, durch ein Mikrofon, alle sitzen auf dem Boden, die Hände in Gebetshaltung vor der Brust, man achtet penibel darauf niemandem die Füße entgegen zu strecken, denn diese gelten als unrein. Danach essen erst die Mönche von den geopferten Speisen, im Anschluss finden sich Grüppchen zusammen, stellen Schalen mit landestypischem Essen in ihre Mitte und essen gemeinsam.

Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug geplant. Mit einem Tuk Tuk fahren wir in den nahe gelegenen Ort Kep. Wir halten, unser Fahrer führt uns durch den Regenwald über teils steile Wege auf den Gipfel eines Berges, von wo aus wir einen großartigen Ausblick haben. Auf dem Rückweg fängt es an zu regnen. Kep liegt direkt am Meer, hier gibt es einen ziemlich bekannten Crab Market. An unzähligen Ständen kann man gegrillten Fisch und alle denkbaren Meerestiere kaufen. Frischer geht es nicht. Durch die Feiertage ist sehr viel los, unter den Dächern der Stände staut sich die Wärme der Grills, es riecht nach Fisch. Am und im Wasser sieht man viele Menschen mit großen Körben in denen Krabben gefangen werden. Unglaublich welche Mengen und vielfältigen Arten an Meerestieren hier zum Vorschein kommen.

Eigentlich wollen wir mit einem Boot zur Rabbitisland übersetzen, aber es will gar nicht mehr aufhören zu regnen, also beschließen wir zurück zu fahren.

Unterwegs halten wir an einem Haus in welchem die Gastfamilie unseres Fahrers wohnt, er will sie kurz besuchen, wir sollen mitkommen.

Die Familie empfängt uns sehr freundlich und bietet uns sofort einen Sitzplatz und Wasser zum trinken an, die Vorbereitungen für das gemeinsame Festessen an Pchum Ben sind in vollem Gange.

Oft wenn ich mit dem Bus unterwegs bin und an den typischen Häusern des Landes vorbei fahre, würde ich gern einen Blick hinein werfen wollen, um zu sehen, wie man hier lebt. Jetzt ist es so weit und ich bin sprachlos, solche Verhältnisse habe ich noch nie gesehen. Neben dem Haus steht ein kleiner Unterstand aus Brettern mit einer Feuerstelle und diversen schwarzen, verbeulten Töpfen… die Küche. Gleich dahinter ein Rind, durch den Garten laufen Hühner, eine Katze, ein Hund. Vor dem Haus steht ein Tisch, der Herr des Hauses zerteilt mit einem kleinen Beil blutiges Fleisch und Knochen, mir wird schlecht.

Hühner laufen ins Haus, eine Tür gibt es nicht. Katharina fragt, ob wir hinein schauen dürfen. Nur ein großer, dunkler, kahler Raum, darin drei große Betten und ein Fernseher. Keine Farbe an der Wand, keine Bilder oder andere Möbel, nichts was es irgendwie gemütlich machen könnte. Alle leben im selben Raum, Rückzugsmöglichkeiten gibt es keine.

Wir nehmen wieder im Garten Platz, unser Fahrer bringt in Palmenblätter gewickeltes Essen. Klebreis mit Kokosmilch, Bohnen und wahrscheinlich Schweinefett, aus Höflichkeit müssen wir zumindest probieren. Katharina isst tapfer, ich koste ein Stück, die undefinierbare, weiße, glibbrige Masse im Inneren jagt mir einen Schauer über den Rücken… ich kann einfach nicht weiter essen, mir ist so übel, was jetzt??? Zum Glück finde ich in meiner Tasche ein leeres Kekspapier und kann den Rest unauffällig verschwinden lassen.

Beim Gedanken an zu Hause fühle ich mich schrecklich. Wie wenig wissen wir zu schätzen in welchem Überfluss und Reichtum wir eigentlich leben. Wir haben ALLES und können trotzdem nicht genug kriegen, es muss noch mehr, noch schöner, noch besser sein. Die Familie hier kennt es nicht anders, aber sie scheinen trotzdem nicht unglücklich zu sein, lachen viel und sind wahnsinnig herzlich und gastfreundlich. Wir fahren weiter, aber diese Bilder werden noch lange in meinem Kopf bleiben und mich hoffentlich immer wieder daran erinnern, dass ich nicht den geringsten Grund habe, mich über irgendetwas zu beschweren!!!

Den Tag darauf verbringen wir ganz entspannt in Kampot, abends im Hostel ist Live-Musik, wir trinken noch einen Abschiedscocktail und gehen früh ins Bett.

Am nächsten Morgen ist es wieder an der Zeit sich zu verabschieden. Wie schön, dass wir uns begegnet sind und eine so unkomplizierte und entspannte Zeit zusammen verbringen konnten. Pass gut auf dich auf liebe Katharina und viel Glück auf deiner weiteren Reise!

Ich bleibe noch zwei Tage länger und danach? Ich weiß es noch nicht, vielleicht in den Norden des Landes. Ihr werdet es erfahren. 🙂

Brownies!!! :)

Brownies!!! 🙂

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ein winziger Jahrmarkt anlässlich der Feiertage

ein winziger Jahrmarkt anlässlich der Feiertage

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:-P

😛

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in der Pagoda zur Feier von Pchum Ben

in der Pagoda zur Feier von Pchum Ben

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Baugerüste aus durch Stricke zusammen gebundenem Bambus

Baugerüste aus durch Stricke zusammen gebundenem Bambus

manche Dinge sind überall gleich ;)

manche Dinge sind überall gleich 😉

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Do it yourself-Anleitung: Beetbegrenzung

Do it yourself-Anleitung: Beetbegrenzung

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Crab Market in Kep

Crab Market in Kep

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