Ich bin da, wo der Pfeffer wächst!!!

Das war mir vorher gar nicht so sehr bewusst…

Maik, mein lieber Kollege aus Eisenach, hat sich gewünscht, dass ich ihm ein bisschen roten Pfeffer mitbringe, Auftrag ausgeführt! Jetzt muss er nur den Rest der Reise überstehen.
Von Kampot aus fahre ich mit dem Bus nach Phnom Penh, die Stadt, die ich eigentlich meiden wollte… Im Internet und auch in Reiseführern liest man so viele blöde Sachen und wird permanent darauf hingewiesen möglichst nicht alleine unterwegs zu sein, langsam werde ich regelrecht paranoid.
Phnom Penh lässt sich schon deshalb nicht umgehen, weil es im ganzen Land nicht so wahnsinnig viele Straßen gibt, außerdem ist die Hauptstadt zentraler Knotenpunkt. Vielleicht sollte ich auch erwähnen, dass nur 20% aller Straßen in Kambodscha asphaltiert sind! Alle anderen bestehen aus roter Erde und vielen Schlaglöchern.
Einmal angekommen, sämtliches Gepäck sicher verschlossen im Hostel, trau ich mich dann doch mal in die Stadt. Wer nichts dabei hat, dem kann man auch nichts wegnehmen… Ich bin erstaunt, dass es auch einige schicke Häuser gibt, überwiegend Bankgebäude, auch am Flussufer und rund um den Königspalast ist es ganz hübsch. Da ich nichts mitgenommen habe, gibt es von Phnom Penh auch keine Fotos. Vor Einbruch der Dunkelheit, bin ich brav zurück im Hostel.
In Phnom Penh gibt es nicht viel zu machen, aber woran so ziemlich niemand vorbei kommt, sind die Killing Fields. Das Traurigste, was mir auf dieser Reise bisher begegnet ist.
Mit dem Tuk Tuk fährt man ca. 15km aus der Stadt raus… hatte ich nicht gestern erst die schönen Ecken in Phnom Penh bewundert?? Auf der Fahrt sieht man wieder das komplette Gegenteil, Müll, Dreck, Chaos, Verkehr, Armut.
Ich habe während der Zeit in Kambodscha schon viel über den grausamen Völkermord gehört, der noch nicht einmal 40 Jahre her ist, die Killing Fields sind die größte Gedenkstätte in diesem Land.

1975 gelangen die Roten Khmer unter Regierungschef Pol Pot an die Macht. Er veranlasst die völlige Umgestaltung der Gesellschaft zu einem radikal-kommunistischen Bauernstaat.
3,5 Millionen Kambodschaner werden von den Roten Khmer wie Vieh von Phnom Penh aufs Land vertrieben – damit sie für die Partei keine Gefahr darstellen und in der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt werden können. Bald sind die Städte des Landes wie ausgestorben. Der Privatbesitz wird abgeschafft, ebenso das Geld und der freie Handel.
Alle Kambodschaner, die nicht unmittelbar politisch verfolgt werden, müssen unter strengster Bewachung auf den Reis- und Baumwollfeldern sowie im Straßenbau unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Dabei verhungern und verdursten viele, sterben an Krankheiten oder werden von den Aufsehern erschlagen.
Die Nationalbank wird in die Luft gesprengt, sämtliche Schulen und Krankenhäuser geschlossen, Bücher eingesammelt und verbrannt. Man stellt die Post ein und riegelt das Land hermetisch von der Außenwelt ab. In den folgenden vier Jahren werden Hundertausende Kambodschaner zu Tode gefoltert und hingerichtet, alle, die für Paul Pot und seine Pläne eine Gefahr darstellen, die “gebildete Mittelschicht“, Studierte, Lehrer, Ärzte, Professoren, aber es reicht auch eine Fremdsprache zu beherschen, eine Brille zu tragen, oder weiche Hände zu haben.
Die Menschen werden aus ihren Familien gerissen und in Foltergefängnisse gebracht. Diejenigen, welche diese grausamen Orte überlebt haben, werden täglich in LKWs von den Foltergefängnissen zu den sogenannten Killing Fields gefahren und dort umgebracht. Auf dem Gelände, welches vor der Besetzung der Roten Khmer einen chinesischen Friedhof umfasste, werden die Gefangenen nachts, bei Neonlicht, begleitet von aus Lautsprechern erklingenden Parolenliedern (um die Schreie der gerade zu Tode Gefolterten zu übertönen) ermordet und in Massengräber geworfen. Die Opfer werden nicht erschossen, Munition wäre zu teuer.

Die Anlage sieht eigentlich ganz idyllisch aus, viel Grün, Blumen, Schmetterlinge, freilaufende Hühner… über einen Audioguide erfahre ich, welche schrecklichen Dinge hier passiert sind, laufe an ehemaligen Massengräbern vorbei und bin immer wieder fassungslos. Durch Regen und Erosion werden auch heute noch Knochen, Zähne und Kleidungsstücke an die Oberfläche getragen, welche von den Hütern der Anlage alle zwei Monate eingesammelt werden… Am allerschlimmsten für mich, ist der Killing Tree, Babys wurden so lang mit den Köpfen dagegen geschleudert bis sie starben…
Am Ende der Führung gelangt man zu einem hohen Gebäude, einem Gedenkstupa, in welchem ca. 9000 Schädel, Knochen, Waffen und Kleidung ausgestellt sind, um auf ewig der Opfer zu Gedenken und diese unglaublich Katastrophe nicht zu vergessen. Auf jedem Schädel klebt ein farbiger Punkt, eine Legende daneben erklärt auf welche Weise die Person gestorben ist. Ich bin tief bewegt und mehr als betroffen.
In Deutschland kennen wir ähnlich schreckliche Taten, mittlerweile gibt es allerdings kaum noch Zeitzeugen. Fragt man hier in Kambodscha die Einheimischen, hat jeder Familienmitglieder verloren. Erstaunlich, dass die meisten Menschen hier trotz allem Übel so freundlich und herzlich sind.
Beim Verlassen fragt der Tuk Tuk Fahrer, ob man in der nahegelegenen Schießanlage schießen möchte… das ist doch krank! Wer ist denn bitte so abgebrüht nach einem solchen Erlebnis mit Waffen zu spielen??? Offenbar Einige, legt man genug Geld auf den Tisch, kann man auch mit einer Bazuka auf ein Kuh schießen, nur so zum Vergnügen, dazu fällt mir nichts mehr ein, ich kann nur noch angewidert den Kopf schütteln.
In den nächsten Tagen durchforste ich Reiseführer und Internet wie es weiter gehen könnte. Eigentlich habe ich vom Nordosten noch nichts gesehen, mir bleiben noch zwei Wochen, aber die Provinzstädte sollen sehr abgelegen sein, kaum Touristen, Englisch wird selten gesprochen, es ist schon schwierig ein Hostel zu finden… was soll ich denn da alleine?
Ich befrage mal wieder das Internet und buche letztendlich einen Flug nach Bali. Offensichtlich eignet sich Bali sehr gut für alleinreisende Frauen, die Bilder sehen schön aus, wenn ich schon mal in der Gegend bin, kann man sich das ja mal angucken.
Damit endet dann auch schon die zweite Etappe, Kambodscha.
Hier wieder mein Fazit:

  • Kambodschas flache und grüne Landschaft mag ich sehr
  • am spannendsten finde ich die Busfahrten und alles was man dabei am Straßenrand beobachten kann
  • Angkor Wat: ein Besuch ist teuer, lohnt sich aber definitiv!!!
  • das Essen hier ist nicht so scharf wie in Thailand
  • Kampot: für mich die Perle im Süden
  • diesmal habe ich weniger Touristenattraktionen mitgenommen, dafür viel mehr über Land und Leute erfahren
  • es ist Schwachsinn Geld in Riel zu tauschen, Dollar reichen völlig, das Wechselgeld bekommt man dann meistens in der Landeswährung zurück
  • in 21 Tagen habe ich 510,20$ ausgegeben, macht pro Tag ca. 24,30$
Maiks Pfeffer :)

Maiks Pfeffer 🙂

 

Der Gedenkstupor

Gedenkstupor

Killing Tree voll behängt mit Armbändern

Killing Tree, voll behängt mit Armbändern

 

alle weiteren Einzelheiten erspar ich euch, die nächsten Fotos werden wieder fröhlicher, versprochen!
alle weiteren Einzelheiten erspar ich euch, die nächsten Fotos werden wieder fröhlicher, versprochen!
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