Es ist schwer meine Begeisterung in Worte zu fassen!!!

Zwei einhalb Stunden vor Abflug bin ich am Flughafen von Phnom Penh, bis der Schalter öffnet, an welchem ich einchecken muss, dauert es noch eine Stunde. Als es dann endlich so weit ist, sagt man mir, dass ich ohne nachweisbares Rückflugticket nicht nach Bali fliegen kann. Eigentlich wäre ich, was den Rückflug betrifft, lieber flexibel geblieben und hätte mich gern erstmal vor Ort umgeschaut. Mir bleiben 25min um an diesem Flughafen irgendwo Wifi zu finden, mich mit dem Netbook einzuloggen, ein Ticket zu buchen und eine Bestätigungsmail zu erhalten. Jetzt bloß nicht panisch werden! Vor einer Pizzeria finde ich eine verständnisvolle und hilfsbereite Kellnerin, sie bietet mir einen Platz an und gibt mir das Passwort fürs Internet. Keine Zeit um ewig nach Angeboten zu suchen, ich nehme das erstbeste Ticket von Bali nach Vietnam. Die Zeit rennt, die Bezahlung und folgende Bestätigung dauern eine gefühlte Ewigkeit! Die Bezahlung ist bestätigt, mein Flug von der Fluggesellschaft jedoch noch nicht, ich hab keine Zeit mehr und renne zurück zum Schalter. Auch da hab ich Glück und gelange an eine sehr freundliche Frau, sie prüft in ihrem System, ob mein Flug bestätigt ist, er ist es! Puhhh… Hätte das nicht alles so gut geklappt, hätte ich von Singapur aus (wo ich umsteigen muss und 10 Stunden Aufenthalt habe) buchen können. Dann hätte ich allerdings nochmal mein Gepäck entgegen nehmen müssen und in Singapur ist das so eine Sache. Die Einfuhrbestimmungen sind sehr streng, zum Beispiel ist es verboten Kaugummi mitzunehmen (eine Reaktion auf lästige ausgespuckte Kaugummis) und bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, braucht man einen ärztlichen Nachweis. Auf meine Kaugummis hätte ich verzichten können, aber auf meine Reiseapotheke und vor allem die teuren Malariatabletten nicht. Ist ja noch mal Alles gut gegangen.

Der Flug nach Singapur dauert nur zwei Stunden. Um 10 Stunden zu warten, wären wahrscheinlich nicht viele Flughäfen geeigneter als Singapur! Neben den üblichen Läden und Restaurants gibt es diverse Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben. Einen Open-Air Kakteengarten mit Bar und Live-Musik, ein Kino, ein Schmetterlingsmuseum usw. Mit mehreren Kaffees halte ich mich wach bis 4.35Uhr, dann startet die Maschine nach Bali. Im Flugzeug muss man wieder den Visa-Antrag ausfüllen, aber das ist ja mittlerweile schon Routine.

Gegen 7 lande ich in Denpasar, ( jetzt sind es 6 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland). Mein großer Rucksack wurde zu meiner Erleichterung ordnungsgemäß in die zweite Maschine geladen. Bei der Passkontrolle fragt man ganz beiläufig wie lange ich bleibe, einen Nachweis verlangt niemand… wozu also die ganze Aufregung??

Nicht weit vom Flughafen befindet sich die Stadt Kuta, dort werde ich die ersten zwei Tage verbringen. Im Internet habe ich bereits gelesen, dass es dort vor Touristen nur so wimmelt, dank der vielen party- und trinkwütigen Gäste wird Kuta auch als der Ballermann von Bali bezeichnet. Nicht unbedingt das, was ich mir vorstelle, aber nach der langen Reise die schnellste Variante um anzukommen und von da aus weiter zu planen.

Mein Hostel ist nett, im Zimmer bin ich mal wieder alleine, die Klimaanlage ist eiskalt! Der erste Weg führt natürlich ans Meer. Die Wellen sind relativ hoch, deshalb gibt es hier diverse Surfschulen, schwimmen hingegen ist eher gefährlich und nur in bestimmten Bereichen erlaubt. Es dauert wie immer nicht lange, bis man angesprochen wird, jeder versucht an Geld zu kommen, Surfschule, Massage, Tattoo, Klamotten, Hüte, Fächer, Sonnenschirm mit Liege… Nein Danke! Ich möchte EINFACH NUR AM STRAND ENTLANG LAUFEN… vielleicht gibt es ein T-shirt mit dieser Aufschrift? Auch in der Stadt ist es nicht anders… Shopping, Lady! Good Price! Auf Schritt und Tritt, am meisten ärgert mich: Taxi, Darling? Wenn mich hier noch einer Darling nennt, hau ich ihm meine Tasche um die Ohren!!!

Sieht man über all das mal großzügig hinweg, ist es hier schön! Das Positive an den vielen Touristen ist das Geld, welches die Kassen füllt. Der Unterschied, vor allem zu Kambodscha, ist riesig. Hier gibt es viele schicke Häuser, Restaurants, Läden, Hotels, gepflasterte Straßen, es liegt kaum Müll herum, überall Grünpflanzen und schöne Blumen. Ein wenig westliches Flair, nach den letzten Tagen in Phnom Penh, tut mir grad wirklich gut!

Abends möchte ich im Restaurant unter meinem Hostel essen, ich bin der einzige Gast. Für solche Fälle ist es ganz gut sein Reisetagebuch weiter zu schreiben, dafür braucht man keine Gesellschaft. Es dauert nicht lange, dann fängt eine Band an zu spielen… Stevie Wonder: i just called to say i love you, die Musik ist schön, das Essen schmeckt, das balinesische Bintang auch, doch kein so schlechter Abend.

Am nächsten Tag möchte ich einen Ausflug machen, im Hostel kann man den Transport nach Uluwatu buchen, dort soll es einen schönen Tempel geben in welchem landestypische Tänze aufgeführt werden und der Sonnenuntergang ist dort wohl auch ganz schön.

Der Rezeptionstyp telefoniert zwei mal, eigentlich ist schon alles in Butter, da meint er, es gäbe ein Problem… Minimum zwei Personen. An dem Punkt muss ich jetzt doch mal echt schlucken, um nicht in Tränen auszubrechen. Ich versuche meistens guter Dinge zu sein und mich zu motivieren auch allein eine gute Zeit zu haben, aber manchmal wird es einem nicht leicht gemacht!

Das ist im Übrigen auch etwas, was man auf so einer langen Reise lernt, wer denkt, dass sieben Monate allein unterwegs sein immer einfach und großartig ist, der sollte wohl lieber zu Hause bleiben. Ja, man sammelt viele tolle Erlebnisse und lernt wunderbare Menschen und Orte kennen, aber es gibt auch immer wieder Situationen, in denen man seine Liebsten zu Hause noch viel mehr vermisst als sowieso schon und gern bei ihnen wäre!

Mir wird ein privater Fahrer für das Dreifache angeboten, nein, Danke.

Also setzte ich mich ans Netbook und suche eine Unterkunft in der nächsten Stadt. Da kommen zwei Mädels, aus England, auf mich zu, sie wollen Kaffee trinken gehen im Nachbarort und fragen, ob ich mitkommen will. Dankbar sage ich zu, mit noch einer weiteren Engländerin geht es im Taxi nach Seminyak. Hier ist ein Luxustempel schöner als der Andere. Keine riesigen Betonblöcke in die möglichst viele Menschen gestapelt werden sollen, sondern wirklich tolle Hotels, wie aus dem Bilderbuch, mit terrassenartig angelegter Poollandschaft, daneben in weiße Tücher gehüllte Himmelbetten mit Blick aufs Meer, Palmen und Blumen, ein Traum! Am Strand beobachten wir ein wenig den Sonnenuntergang, laufen am Meer entlang zurück zum Hostel und gehen zusammen essen. Wie schön, dass der Tag ganz anders ausgegangen ist, als anfangs gedacht!

Um zehn fährt der Bus nach Ubud, Laurie, eine Französin aus meinem Hostel, fährt auch mit. Nach ungefähr einer Stunde sind wir da. Die Taxifahrer verlangen wie immer zu viel, also laufen wir zu unseren Unterkünften, tauschen Nummern aus und wollen die Tage mal etwas zusammen unternehmen.

Ubud überzeugt mich vom ersten Moment an. Häuser sind nicht einfach nur schlicht und praktisch, sondern immer hübsch verziert, es gibt so viele schöne Läden, Cafés und Restaurants, stilvoll eingerichtet und dekoriert, kleine Brunnen mit Blumen und Fischen darin, riesige bunt blühende und duftende Frangipanibäume, beeindruckende Tempel mit schönen Steinfiguren und überall stelle ich fest, die Menschen in Bali sind wahre Meister des Kunsthandwerkes. Ganz egal ob Malerei, Architektur, Holzverarbeitung oder Inneneinrichtung, alles ist geschmackvoll und ästhetisch, das genieße ich nach Kambodscha und Thailand unwahrscheinlich.

Am Nachmittag laufe ich nur ein Stück mit Laurie durch die Stadt, wir schauen uns zwei kleine Tempel und den Ubud Palace an. Direkt gegenüber gibt es einen großen Markt, eigentlich sollte ich lieber ganz schnell daran vorbei laufen! Ein Paradies für jedes Mädchen und eine Qual zugleich an den hübschen Kleidern, Tüchern und Taschen vorbei laufen zu müssen. Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich ein ganzes Flugzeug beladen mit aufwendig geschnitzten Holztüren, fabelhaften Schränken, Figuren, Lampen, Brunnen und Stoffen… ich kann mich gar nicht satt sehen.

Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber meiner dafür umso mehr!

Den Tag darauf frühstücke ich in einem kleinen Café und bummel einfach stundenlang ziellos durch die Straßen. Gegen Mittag schaue ich mir das Puri Lukisan Museum an.

Vielleicht oute ich mich jetzt als ganz großen Kunstbanausen, aber Kunst hat meiner Meinung nach vor allem etwas mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu tun.

Egal ob in Deutschland oder im Ausland, ich habe schon oft zeitgenössische Kunstausstellungen besucht und kann, obwohl ich so gern dafür offen wäre, mit vielen Dingen nichts anfangen. Ich will mir nicht erst eine 5-seitige Interpretation durchlesen müssen um nachvollziehen zu können was der Künstler mir damit wohl sagen wollte. Das ist natürlich nicht immer so, überall gibt es Werke die ich beeindruckend oder inspirierend finde, aber ein Mark Rothko, mit seiner Farbfeldermalerei, wird, nach meinem Empfinden, völlig zu unrecht in den Himmel gehoben. Wie auch immer, Geschmäcker sind ja verschieden, sicher hat meine Auffassung auch viel mit meinem Beruf zu tun…

Worauf ich mit alle dem hinaus wollte, ist, auch in einer Ausstellung in Bali gefällt mir nicht jedes Bild, aber die Fähigkeiten der Künstler sind für mich umwerfend. Die Holzschnitzereien sind derartig filigran und detailliert, dass man auf Anhieb erkennt, in diesem Stück Holz steckt massenhaft Geduld, Fingerspitzengefühl, Arbeit, Können und Herzblut… ich bin hin und weg!

Diese Art und Weise ist eigentlich auf alles mich hier Umgebende übertragbar. Wo auch immer man hinschaut wird Wert auf Ästhetik gelegt und alles liebevoll gestaltet, da fällt es mir nicht schwer ein wenig Baustellenschutt und die vielen erwartungsvollen Taxifahrer zu übersehen.

Bali hat mich gänzlich in seinen Bann gezogen und ich bin unsagbar froh spontan den Weg hierher gefunden zu haben!

Sonnenaufgang auf dem Weg nach Bali

Sonnenaufgang auf dem Weg nach Bali

Kuta

Kuta

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Ubud

Ubud

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!!!

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Schatz wie wär's mit einem Häuschen auf Bali? :-)

Schatz wie wär’s mit einem Häuschen auf Bali? 🙂

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Hasi2: für den Eingang zum Katzencafé?

Hasi2: für den Eingang zum Katzencafé?

Auf diese Weise bekommen sogar Tierschädel etwas Schönes

Auf diese Weise bekommen sogar Tierschädel etwas Schönes

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Foto vom Foto...

Foto vom Foto…

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Reisfelder

Reisfelder

Ausblick von meinem Bett

Ausblick von meinem Bett

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