Irgendwie ist der Wurm drin – endlose Tage in Bolivien

Die Busfahrt klappt problemlos, zwischendurch werde ich kurz wach, ich habe ziemliche Ohrenschmerzen, kein Wunder, unser Weg führt durch Potosi, eine der höchstgelegenen Großstädte der Welt. Um 5 Uhr früh kommen wir in Sucre an.

Theoretisch wäre es schön gewesen erst mal in Ruhe einen Kaffee am Bahnhof zu trinken, wer den Bahnhof jedoch einmal betreten hat, weiß, wie groß das Bedürfnis ist ihn schnellstmöglich wieder zu verlassen.

Vor dem Terminal finden wir schnell ein Taxi, welches uns für 20 Bolivianos (2,60 €) zum Hostel bringt.

Wir können unser Gepäck abstellen, aber um diese Zeit natürlich noch nicht ins Zimmer, also laufen wir ein Stück. Sucre ist an einem Berg gelegen und besteht fast ausschließlich aus weißen Häusern.

Die steilen Straßen hinauflaufen, bringt uns ganz schön außer Puste, aber der Blick von oben über die Stadt ist wirklich schön, das uns empfohlene Café leider noch geschlossen.

Weiter unten im Zentrum haben wir mehr Erfolg, nach dem Frühstück, sehen wir uns den großen Markt an.

Eine riesige Halle, in der man alle nur erdenklichen Lebensmittel kaufen kann. Frisch vom Markt Essen kaufen und zubereiten, klingt doch eigentlich großartig, für uns Deutsche sieht die Realität jedoch anders aus. Auch, wenn ich nach Südostasien schon abgehärtet bin, will ich an den Ständen, an denen man bergeweise ungekühltes, rohes Fleisch kaufen kann, nicht vorbeilaufen. Die Verkäufer versuchen die vielen Fliegen fern zu halten und vom Geruch wird einem ganz anders. Schnell weiter zu Obst und Gemüse, auf unsere Fragen wird widerwillig geantwortet, wieder eine Situation in welcher wir uns nicht Willkommen fühlen.

Abends kochen wir, das Wasser, obwohl es abgekocht ist, schmeckt derartig nach Chlor, dass das Essen, frisch hin oder her, ungenießbar ist. Ab sofort nur noch Wasser aus der Flasche!!

Wir haben zwar ein Vier-Bett-Zimmer gebucht, aber es ist keins frei und müssen jeweils zu zweit in ein anderes Zimmer, eigentlich kein Problem, wenn alle rücksichtsvoll miteinander umgehen, tun sie aber nicht. Kaputt vom langen Tag liegt man in seinem Bett und versucht zu schlafen… rein ins Zimmer, Tüten rascheln, eine halbe Dose Deo versprühen begleitet von lauter Musik aus dem Handy, raus aus dem Zimmer, Tür knallt, Im Innenhof schallt lautes Gelächter, jemand übergibt sich auf dem Klo, später dann knarren die Doppelstockbetten bei jeder Bewegung und der fremde Mitbewohner atmet geräuschvoll… ein Hoch auf Ohropacks!

Es kommt immer anders als man denkt, so auch in den folgenden Tagen.

Eigentlich war nur ein kurzer Zwischenstopp geplant, einer unserer Hostelbesitzer erklärt uns jedoch, dass die Lkw-Fahrer streiken und sämtliche Straßen blockieren, ein Verlassen der Stadt mit dem Bus, hält er, bis auf weiteres, für unmöglich. Er schlägt uns vor am Busbahnhof nachzufragen um genauere Informationen zu bekommen. So wie wir Bolivien mittlerweile kennengelernt haben, befürchten wir jedoch, dass uns Bustickets einfach verkauft und wir unserem Schicksal, in diesem Fall einer unendlichen Straßensperrung, überlassen werden. Abgesehen davon, soll die Straße nach Santa Cruz recht abenteuerlich sein. Anfang und Ende sind asphaltiert, zwischendrin nur schlechte Schotterwege auf denen nicht schnell gefahren werden kann. Um die etwas besseren Busse zu schonen, werden auf dieser Strecke nur die Ältesten eingesetzt.

Ein paar Schweizer aus unserem Hostel wagen es dennoch, wie wir kurz darauf erfahren, lagen wir mit unserer Einschätzung 100% richtig. Bis zur Straßensperrung sind sie gekommen, dort ging es stundenlang weder vor noch zurück, dann mussten sie, im Dunkeln mit ihrem gesamten Gepäck, 5km laufen zum nächsten Bus, dieser kam tatsächlich, aber eben auch nur einer, für dreimal so viele Menschen und ihr Gepäck. Für eine Strecke, welche man sonst in 11 Stunden zurück legt, haben sie zwei Tage gebraucht. Wir sind also froh es gar nicht erst versucht zu haben!

Mit großen Schritten geht es dem Karneval entgegen, das wird auch in Bolivien intensiv gefeiert, eigentlich ja genau mein Ding! Es finden immer wieder Umzüge auf den Straßen statt, hier ist es üblich mit Wasserbomben, Spritzpistole und Schaumspray rumzualbern, wer mich kennt, weiß dass ich ein großer Freund von Wasserbombenschlachten bin. Das ganze macht allerdings nur dann Spaß, wenn man mitmachen darf! Als ahnungsloser Tourist ist man ein besonders beliebtes Ziel, sobald ein Auto mit herunter gelassener Scheibe an einem vorbei fährt, muss man damit rechnen als Zielscheibe herhalten zu müssen, bei Regen und kaltem Wetter alles andere als lustig!

So verharren wir 5 Tage in Sucre, bei meist schlechtem Wetter, verderben uns abwechselnd ausgiebig den Magen, vielleicht am Wasser, vielleicht auch am Essen im Restaurant, man weiß es nicht so genau… wir wollen hier so schnell es geht weg.

Wie lange der Busstreik andauert, kann nach wie vor niemand sagen, also buchen wir einen Flug nach Santa Cruz und hoffen auf Verbesserungen in jeglicher Hinsicht.

Zwei nette Schweizer Mädels teilen unser Schicksal, mit ihnen verbringen wir die Zeit bis zum Abflug.

Zu fünft plus Gepäck steigen wir früh ins Taxi zum Flughafen, nachdem wir uns von Amelie verabschiedet haben. Die Straßen steigen steil an, manchmal sind wir nicht sicher, ob es das Auto bis nach oben schafft.

Der Flughafen ist winzig, die Flugzeuge können nur bei gutem Wetter starten, zum Glück scheint im Moment die Sonne. Hinter dem Terminal stehen drei Flugzeuge mit Platz für 90 Personen, es gibt nur eine Landebahn, welche auch zum starten verwendet wird.

Wir fliegen nur eine halbe Stunde und landen bei Sonne und warmen Temperaturen in Santa Cruz.

Zu dritt teilen wir uns in den nächsten zwei Tagen ein Zimmer, mit eigenem Bad, Kühlschrank, Klimaanlage und Fernseher, gegenüber des Hostels ist ein Burger King, die Jungs sind höchst zufrieden.

Die Freude ist leider nicht von langer Dauer. Im Internet haben wir vom Karneval in Santa Cruz gelesen und wissen, dass während dieser Zeit Ausnahmezustand herrschen wird. Das öffentliche Verkehrsnetz bricht zusammen, sämtliche Geschäfte und Restaurants schließen, zu Wasserbomben und Schaumspray kommt wasserunlösliche Farbe aus Spritzpistolen und massenhaft feierwütige, sturzbetrunkene Menschen. Alle die, die keine Lust auf Karneval haben, verlassen für diese Zeit die Stadt, oder verbarrikadieren sich in ihren Wohnungen, die Häuser werden regelrecht eingepackt, manche Schaufenster und Geschäftseingänge sogar zugemauert.

Durch den Busstreik haben wir keine Möglichkeit aus der Stadt zu kommen, uns bleibt nichts anderes übrig, als das Hostel zu verlängern, uns mit Essen einzudecken und bis zum Aschermittwoch abzuwarten.

Wir hoffen, dass es uns in dieser Zeit gelingt einen Masterplan zu schmieden, wie wir Bolivien auf kürzestem Weg verlassen können, bis dahin ein dreifaches Helau…

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noch ein paar Eindrücke vom Markt in Uyuni

noch ein paar Eindrücke vom Markt in Uyuni

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Blick auf Sucre

Blick auf Sucre

der schöne Teil der Markthalle

der schöne Teil der Markthalle

Säckeweise ungekochter Kartoffelbrei

Säckeweise ungekochter Kartoffelbrei

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Calle Grau vor unserem Hostel

Calle Grau vor unserem Hostel

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Telefonzelle am Friedhof

Telefonzelle am Friedhof

Raubtierfütterung am Flughafen

Raubtierfütterung am Flughafen

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auf nach Santa Cruz

auf nach Santa Cruz

Bananas!!!

Bananas!!!

die Stammkunden der nächsten Tage...

die Stammkunden der nächsten Tage…

Vicy welches hättest du denn gern?

Vicy welches hättest du denn gern?

Vorbereitung auf den Carneval

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